Sonntag, 16. September 2012

Spätzlepfännle *lach*

Der Umzug nach Schwaben Anfang des Jahres fiel speziell mir zwar einerseits nicht leicht, weil ich dadurch die Distanz zu meinen Eltern verdreifacht habe und jetzt jeder Besuch generalstabsmäßig geplant werden muß, andererseits hab ich mich aber auch sehr gefreut, weil ich Schwaben eigentlich schon immer sehr mochte und auch wußte, daß es eine Verbesserung unserer Lebensqualität darstellen würde, verglichen zu unserer Heimat, die nicht wirklich idyllisch ist. Da meine beste Freundin aus Kindertagen schon seit über 10 Jahren wieder hier lebte, war ich des öfteren mal zu Besuch, fand noch mehr Freunde hier und lernte die wunderschöne Gegend ein wenig kennen.

Für Mann war der Umzug glaub ich schon viel leichter. Schwaben ist da, wo die Spätzle herkommen. Und wenn es etwas gibt, wofür dieser Mann alles stehen und liegen läßt, dann sind es Spätzle. Übertroffen wird das nur noch durch Spätzle mit Gulasch, da ist dann alles vorbei und er überfrißt sich jedes einzelne Mal hoffnungslos *lach*.

Was ein Glück hat er eine Frau gefunden, die freiwillig gerne Spätzle selbst macht (Tüte und Kühlregal finde ich nämlich ehrlich gesagt total widerlich, esse aber selbst liebend gerne Spätzle). Natürlich cheate ich. Ich bin kein Schwabe, also hab ich das Schaben der Spätzle schon nach dem 5. oder 6. Mal aufgegeben und verwende stattdessen eins von den Spätzlebrettern mit Löchern, das man auf den Topf auflegt, den Teig drauf gibt und dann mit einer Art Spatel das ganze durch die Löcher streicht. Klappt prima, einfach und schnell. Und ich benutze meine Kitchen Aid, um den Teig zu schlagen. Ich weiß, jede schwäbische Hausfrau kriegt gerade einen deftigen Herzinfarkt. Mir egal. Ich bin ein scheeler Hess, ich derf des! Mir Hesse hamm de Derfschein schließlich erfunne.

Vor zwei Wochen waren wir in einem neu eröffneten Lokal in unserer Ortschaft essen. Es war auch wirklich sehr, sehr gut, außer daß der Koch bei den Soßen zu sehr ins Salzfaß geschaut hat und beide Soßen schon am Rande des Versalzenen waren. Mann suchte sich ein nach dem Restaurant benanntes "Pfännle" aus und abgesehen vom Salzgrad war er begeistert vom Essen auf seinem Teller. Nach einer Geschmacksprobe erklärte ich ihm dann in meinem jugendlichen Leichtsinn: "Krieg ich auch hin."

Gesagt, heute getan.

Es war auch eigentlich nicht weiter kompliziert, nicht falsch verstehen. Was ihr hier seht, ist eigentlich wirklich extrem simpel. Spätzle, Schweinefilet in Medaillons gebraten, Pilzrahmsoße und das alles kurz mit Käse überbacken.

Aber heute hatte ich einen totalen Durchhänger, Jetleg der Woche schätze ich und darum war ich eigentlich nicht recht motiviert. Versprochen ist aber versprochen und es ist mir sogar sehr gut gelungen.

Lange, lange, laaaange Rede, hier endlich das Rezept, ich würde sagen, auch hier wieder für 4 Personen, normalerweise (Freßmaschine, was Spätzle angeht, ich sag's ja), bei uns hätte es für 3 gereicht, die 3. Portion nimmt Schatz morgen mit auf Arbeit, Plan geglückt, der Bub ist heute satt und hat morgen noch was zu essen.

Für die Spätzle:

500g Mehl
5 Eier
ca. 200ml Wasser
Salz
Wer mag nimmt noch Kräuter, das gibt etwas mehr Pepp

Für die Soße:

200g Pilze (hier braune Champignons)
500ml Fond
1/2 Becher Creme Fraiche
1 Zwiebel
20g Butter
40g Mehl
Salz
Pfeffer
Süßes Paprikapulver
Petersilie

Außerdem:

Schweinelende, ca. 500g schwer
Salz
Pfeffer
Käse zum Überbacken


Für die  Soße wird eine klassische Mehlschwitze hergestellt. Die Butter in einem Topf schmelzen lassen und wenn sie anfängt zu schäumen das Mehl dazugeben und rühren bis das ganze einen Mehl-Butter-Brei ergibt. Wenn eure Soße dunkler werden soll, müßt ihr das Gemisch so lange unter Rühren anrösten, bis es etwa nußbraun geworden ist. Nach und nach den Fond dazugeben und immer gut rühren, damit sich der Brei auflöst. Bei mittlerer Hitze köcheln lassen und immer wieder umrühren, sonst setzt es am Topfboden an.

Die Zwiebeln in einer Pfanne anschwitzen, die klein geschnittenen Pilze dazu geben und so lange braten, bis die Pilze ihren Saft verloren haben. Sie dürfen auch gerne etwas Farbe annehmen, wenn ihr eine braune Soße möchtet. Jetzt das ganze mit Salz, Pfeffer, Paprika und Petersilie würzen.
Creme Fraiche in den eingedickten Fond einrühren und die Zwiebeln und Pilze dazugeben. Alles nach eigenem Geschmack nochmal abschmecken, Soße fertig :o)

Für den Spätzleteig alle Zutaten in einer großen Schüssel so lange verrühren, bis ein zähflüssiger, klebriger Teig entstanden ist, der idealerweise Blasen werfen sollte. Wenn ihr Kräuterspätzle möchtet, rührt ganz zum Schluß die Kräuter unter. Ich hab für meine Spätzle eine 6-Kräuter-Mischung aus dem Froster genommen.

Während das Salzwasser für die Spätzle zum Kochen gebracht wird, den Ofen schonmal vorheizen und eine Pfanne für die Lende aufstellen.

Die Lende in Medaillons schneiden und mit Salz und Pfeffer würzen. Das Fleisch wird einfach nur in der Pfanne gebraten, bis es durch ist.

Egal ob ihr eure Spätzle selbst schabt, eine Presse oder ein Spätlzebrett mit Löchern verwendet, gilt immer, nicht zu viele auf einmal in den Topf und sobald sie oben schwimmen, sind sie gut. Das geht wirklich blitzschnell, also nicht groß kochen lassen, sonst saugen sie sich voll Wasser und werden nur schwammig und eklig. Mit dem Schaumlöffel einfach herausheben und in einem Sieb abtropfen lassen, während ihr die nächste Portion ins Wasser gebt.

Man kann natürlich jetzt auch die 3 Komponenten so servieren und den Käse weglassen, nötig ist er nicht, aber wer nach a auch b sagen will, nimmt sich jetzt eine große feuerfeste Form oder mehrere kleine und gibt zuerst eine Schicht Spätzle rein, darauf dann ein paar Stücke Fleisch, dann die Soße drüber und zum Schluß etwas Käse.

So lange in den Backofen schieben, bis der Käse schön zerlaufen ist und geschafft.

Nicht kompliziert, aber durchaus etwas zeitaufwendig, das gebe ich zu. Ich empfehle dazu einen Beilagensalat, weil das Gericht an sich nicht gerade gemüselastig ist und weit weg von ausgewogen ist, aber sonntags darf so eine kleine Schweinerei mal sein, gell?

1 Kommentar:

  1. Huhu Heike, die Schweinerei sieht gut aus *lach* und ist für´s kommende WE vorgemerkt. LG, Melanie

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